Aktuelles | 12. September 2017

Günstige E-Mobilitätstarife fehlen weiter

Im Jahr 2011 gab Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ein ehrgeiziges Ziel aus: Bis 2020 sollten 1 Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein, 2030 hätten es nach den Vorstellungen der Bundesregierung bereits 6 Millionen sein können. Die Realität sieht anders aus: Zum 1. Januar 2017 waren nur 34.022 Fahrzeuge mit rein elektrischem Antrieb in der Bundesrepublik zugelassen. Das war gegenüber dem Vorjahr zwar ein Anstieg um 33,4 Prozent, aber noch weit von den ambitionierten Klimazielen entfernt.

Das gerin­ge Inter­es­se scheint mit der Tarif­land­schaft für aus­ge­wie­se­ne E‑Mobilitätsprodukte zu kor­re­lie­ren. Schon eine Unter­su­chung der ene't Daten­bank End­kun­den­ta­ri­fe Strom im Febru­ar 2014 (vgl. News­let­ter Nr. 048) zeig­te eine gerin­ge Anbie­ter­dich­te am Markt. Zudem ließ sich erken­nen, dass die hei­mi­sche Ladung eines Fahr­zeugs über den Haus­halts­strom in der Regel kos­ten­güns­ti­ger war als der Abschluss eines sepa­ra­ten Tarifs.

Netz­sei­tig bie­ten sich für Strom­ver­trie­be güns­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­la­ge eines preis­lich inter­es­san­ten Ange­bots. Ins­ge­samt 70 Ver­teil­netz­be­trei­ber erhe­ben in 3.871 Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen redu­zier­te Ent­gel­te für die Elek­tro­mo­bi­li­tät. Dar­un­ter sind Betrei­ber wie West­netz, Net­ze BW, Syna, SWV Regio­nal, regio­netz, SWO Netz und die Netz­ge­sell­schaft Ost­würt­tem­berg Donau­Ries GmbH. Die nied­rigs­ten Gebüh­ren erhe­ben dabei die Stadt­wer­ke Mei­nin­gen mit 35,12 Euro im Jahr, gefolgt von West­netz, Syna, NEW Netz, ELE Ver­teil­netz, nvb Nord­hor­ner Ver­sor­gungs­be­trie­be, SWV Regio­nal, regio­netz und wei­te­ren mit jeweils 42,83 Euro. Am teu­ers­ten ist die Durch­lei­tung dage­gen in den Net­zen der Stadt­wer­ke Trois­dorf (179,34 Euro/​Jahr) und der Net­ze BW (149,60 Euro/​Jahr).

Dem zugrun­de liegt ein Abnah­me­fall von 2.855 kWh/​Jahr. Die­ser errech­net sich aus der durch­schnitt­li­chen Fahr­leis­tung eines Pkw in Deutsch­land (2016: 13.341 km, Anga­be des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes) und dem mitt­le­ren Ver­brauch des hier­zu­lan­de meist­ver­kauf­ten E‑Mobils (Renault Zoe Z.E., ermit­tel­ter Ver­brauch laut ADAC-Auto­test 21,4 kWh/​100 km).

Bei Netz­an­bie­tern, die kei­nen eige­nen Tarif für Elek­tro­mo­bi­li­tät ver­öf­fent­li­chen, wer­den statt­des­sen die eben­falls redu­zier­ten Ent­gel­te für steu­er­ba­re Ver­brauchs­ein­rich­tun­gen gemäß § 14a EnWG her­an­ge­zo­gen, unter die Elek­tro­mo­bi­le per Gesetz fal­len. Eine wei­te­re güns­ti­ge Vor­aus­set­zung für den Ver­trieb ist der An-satz der redu­zier­ten Kon­zes­si­ons­ab­ga­be von maxi­mal 0,11 ct/​kWh nach § 2 Abs. 3 KAV. Man­cher­orts wird sogar die­se Höchst­gren­ze nicht aus­ge­schöpft. So erhebt die Klein­stadt Prem­nitz (Bran­den­burg) nur 0,055 ct/​kWh, wäh­rend eini­ge klei­ne Gemein­den in Bay­ern gar kei­ne Kon­zes­si­ons­ab­ga­be ein­for­dern. Ein­schließ­lich aller gesetz­li­chen Umla­gen und Abga­ben wer­den so im bun­des­deut­schen Schnitt 364,24 Euro/​Jahr für den Fremd­kos­ten­kom­plex bei der E‑Mobilität fällig.

Fremd­kos­ten­kom­plex (Ent­gel­te, Abga­ben, Umla­gen) für die Elek­tro­mo­bi­li­tät (2.855 kWh) in Euro/​Jahr

Ob es aber inzwi­schen für den End­kun­den güns­ti­ger ist, für die Auf­la­dung sei­nes Fahr­zeugs einen eige­nen Tarif zu beauf­tra­gen, der mit der Instal­la­ti­on eines zusätz­li­chen Zäh­lers ver­bun­den ist, soll ein neu­er­li­cher Ver­gleich zu einer Kom­plett­be­lie­fe­rung mit Haus­halts­strom zei­gen. Dazu wird der durch­schnitt­li­che Ver­brauch eines Haus­halts mit einem Son­der­ta­rif zugrun­de gelegt (2.900 kWh/​Jahr laut Moni­to­ring­be­richt 2016 der Bun­des­netz­agen­tur). Ver­gli­chen wer­den der jeweils güns­tigs­te Haus­halts­ta­rif und E‑Mobilitätstarif an einem Postort.

Wie ein­gangs erwähnt, zeig­te sich Anfang 2014 eine gerin­ge Anbie­ter­dich­te bei Tari­fen für die Elek­tro­mo­bi­li­tät. Im Durch­schnitt waren nur 1,2 Anbie­ter je Post­ort mit einem sol­chen Pro­dukt aktiv. Zumin­dest gab es jedoch bereits ein flä­chen­de­cken­des Ange­bot. Inzwi­schen hat sich das Tarif­an­ge­bot leicht erhöht, im Bun­des­durch­schnitt sind inzwi­schen 2,1 Anbie­ter je Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­ti­on verfügbar.

Die größ­te“ Aus­wahl unter vier Tari­fen haben dabei E‑Mobilisten in der Han­se­stadt Ham­burg und eini­ger klei­ner Städ­te wie Gre­ven­broich und Wil­lich (NRW). Im Schnitt belau­fen sich die Lade­kos­ten auf jähr­lich 680,67 Euro, die Span­ne reicht dabei von 494,17 Euro („NEW e‑mobility@home“ im Umland von Mön­chen-glad­bach) bis zu 818,95 Euro („Fahr­strom­preis Aben­teu­rer“ der SW Rosen­heim in Tei­len Bayerns).

Wer­den nun die Kos­ten bei­der Tari­fe dem sum­mier­ten Ver­brauch (5.755 kWh/​Jahr) im güns­tigs­ten Haus­halts­ta­rif gegen­über­ge­stellt, zei­gen sich nur weni­ge Ein­spar­mög­lich­kei­ten. In 2.462 Postor­ten fährt der End­kun­de mit einem sepa­ra­ten Tarif güns­ti­ger, haupt­säch­lich in den West­netz-Gebie­ten. Die Ein­spa­run­gen sind mit maxi­mal 80,07 Euro (Vers­mold, NRW) aller­dings gering, im Schnitt betra­gen sie nur 18,41 Euro im Jahr. Beson­ders unin­ter­es­sant ist ein Tarif­wech­sel im baye­ri­schen Edling, da die Jah­res­kos­ten dort um 387,11 Euro über dem rei­nen Bezug von Haus­halts­strom liegen.

Preis­dif­fe­renz zwi­schen zwei sepa­ra­ten Tari­fen (Haus­halt 2.900 kWh + E‑Mobilität 2.855 kWh) und Voll­be­lie­fe­rung über Haus­halts­strom (5.755 kWh) in Euro/​Jahr
Wei­ße Flä­chen kenn­zeich­nen eine feh­len­de Daten­grund­la­ge, z. B. durch Eingemeindungen

Im Bun­des­schnitt ist die Belie­fe­rung über zwei getrenn­te Zäh­ler um 123,59 Euro im Jahr teu­rer. Wer zudem nicht nur lokal emis­si­ons­frei fah­ren möch­te, wird bei sei­ner Tarif­wahl auf Öko­strom­ta­ri­fe set­zen wol­len. Der durch­schnitt­li­che Auf­preis ver­än­dert sich dabei nur mini­mal auf 125,62 Euro, die Zahl der Postor­te mit güns­ti­ge­rem Gesamt­preis bei sepa­ra­tem Ver­trag sinkt dage­gen auf 2.225.

Es feh­len somit flä­chen­de­cken­de Ange­bo­te, die den Abschluss eines Lade­ta­rifs attrak­tiv machen. Der güns­ti­ge Fremd­kos­ten­kom­plex soll­te es Ver­trie­ben grund­sätz­lich ermög­li­chen, ent­spre­chen­de Pro­duk­te auf­zu­le­gen. Ohne ein aus­ge­bau­tes Lade­säu­len­netz dürf­ten Auto­fah­rer mit einem Stro­mer“ wei­ter­hin haupt­säch­lich auf den vor­han­de­nen Haus­an­schluss zurück­grei­fen, was man­gels Unter­brech­bar­keit wenig netz­dien­lich bleibt.

Metho­dik: Alle Preis­an­ga­ben ver­ste­hen sich net­to. Boni wur­den nicht berück­sich­tigt; es wur­den jeweils die güns­tigs­ten Tari­fe (Gesamt/​Ökostrom) für Haus­halt und Elek­tro­mo­bi­li­tät je Post­ort betrach­tet. Wei­ter­hin wur­den stets Ein­ta­rif­zäh­ler vorausgesetzt.

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