Aktuelles | 07. Dezember 2018

Grundversorgungspreise steigen 2019 leicht

Wenn im Oktober die vorläufigen Nutzungsentgelte der Verteilnetze für das Folgejahr veröffentlicht werden und die zukünftige Höhe der gesetzlichen Umlagen bekannt ist, reagieren viele Grundversorger auf die veränderte Fremdkostensituation mit Preisanpassungen zum Jahreswechsel. Nachdem die Zahl der Preisänderungen zum 1. Januar in den vergangenen beiden Jahren eher rückläufig war, kommt Anfang 2019 wieder mehr Bewegung in das Preisgefüge. Änderungen am Grundversorgungspreis müssen nach § 5 Abs. 2 StromGVV zum Monatsersten erfolgen und mindestens sechs Wochen vorab veröffentlicht werden. Doch wie schon in den vergangenen Jahren hielten nicht alle Versorger die Frist Mitte November ein (vgl. Newsletter Endkundentarife Strom Nr. 056).

Ände­run­gen erge­ben sich im kom­men­den Jahr zudem durch die tur­nus­ge­mä­ße Fest­stel­lung des ange­stamm­ten Ver­sor­gers in den ein­zel­nen Netz­ge­bie­ten. Auf Grund­la­ge von § 36 Abs. 2 EnWG wird der zustän­di­ge Grund­ver­sor­ger alle drei Jah­re zum 1. Juli neu ermit­telt (erst­ma­lig 2006), Ände­run­gen wer­den bis spä­tes­tens zum 30. Sep­tem­ber ver­öf­fent­licht. Das Unter­neh­men, das am Stich­tag die meis­ten Haus­halts­kun­den in einem Netz­ge­biet belie­fert, be- oder erhält in den fol­gen­den drei Jah­ren den Sta­tus des Grund­ver­sor­gers. Auch sol­che Ände­run­gen kön­nen deut­li­che Aus­wir­kun­gen auf das Preis­ni­veau haben, wie die fol­gen­de Aus­wer­tung zei­gen wird.

Betrach­tet wird der Abnah­me­fall von 2.200 kWh im Jahr, der bis­her einen typi­schen Ver­brauch für einen Haus­halt in der Grund­ver­sor­gung dar­stell­te. In die Aus­wer­tung gehen die ver­öf­fent­lich­ten Prei­se von 340 der 826 Grund­ver­sor­ger im Bun­des­ge­biet ein (41,2 %), Ände­run­gen zei­gen sich in 755 von 2.053 Tari­fen (36,8 %). Im gewich­te­ten Durch­schnitt, der die Grö­ße der betrof­fe­nen Lie­fer­ge­bie­te berück­sich­tigt, lässt sich dar­aus ein mini­ma­ler Anstieg der durch­schnitt­li­chen Jah­res­kos­ten um +0,5 Pro­zent auf 629,88 Euro errechnen. 

Damit weicht die Ent­wick­lung von der all­ge­mei­nen Ten­denz der Netz­ent­gel­te ab, die im eben­falls gewich­te­ten Schnitt leicht sin­ken (vgl. News­let­ter Netz­nut­zung Strom Nr. 106). Zwar kor­re­lie­ren die Tari­fe bei­spiels­wei­se in den Netz­ge­bie­ten der WEMAG, Cel­le-Uel­zen-Netz oder e‑netz Süd­hes­sen mit den sin­ken­den Durch­lei­tungs­ge­büh­ren, doch in Baden-Würt­tem­berg zeigt sich der gegen­tei­li­ge Fall. Trotz deut­li­cher Ent­gelt­sen­kun­gen in der Flä­che stei­gen die Strom­ta­ri­fe in gro­ßen Tei­len deut­lich. Mög­li­cher­wei­se wer­den die sin­ken­den Fremd­kos­ten dort durch gestie­ge­ne Beschaf­fungs­kos­ten überkompensiert. 

Sin­ken­de Prei­se in der Grund­ver­sor­gung las­sen sich in 502 Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen beob­ach­ten, im Schnitt redu­zie­ren sich die Jah­res­kos­ten dort um ‑2,4 Pro­zent, in 19 Postor­ten um ‑5 Pro­zent oder mehr. In 2.153 Postor­ten dage­gen stei­gen die Kos­ten, im Schnitt um +4,3 Pro­zent. In 609 Postor­ten wer­den Strom­kun­den mit Preis­er­hö­hun­gen von +5 Pro­zent oder mehr konfrontiert. 

Preis­än­de­run­gen in der Grund­ver­sor­gung zum 1. Janu­ar 2019
Abnah­me­fall: Haus­halt, SLP, 2.200 kWh/​Jahr

Die stärks­te Anhe­bung fin­det sich im Lie­fer­ge­biet der Ener­gie­ver­sor­gung Mil­ten­berg-Bürg­stadt in Bay­ern, wo die Jah­res­kos­ten um +20,5 Pro­zent auf 704 Euro stei­gen und damit deut­lich über dem Bun­des­durch­schnitt lie­gen. Eben­falls eine deut­li­che Ver­teue­rung zeigt sich in Heins­berg (NRW), wo lek­ker Ener­gie die Grund- und Ersatz­ver­sor­gung um 17,2 Pro­zent auf 699,18 Euro anhebt. 

Mehr als ein Dut­zend Stadt- oder Gemein­de­wer­ke erhö­hen ihre Prei­se um 10 Pro­zent oder mehr, dar­un­ter Nor­der­stedt (Schles­wig-Hol­stein, +10,1 % auf 633,04 Euro), Gie­ßen (Hes­sen, +10,2 % auf 648,76 Euro), Bad Kis­sin­gen (Bay­ern, +11,3 % auf 702,52 Euro), Sol­tau (Nie­der­sach­sen, +11,5 % auf 612,40 Euro), Dül­men (NRW, +12,3 % auf 627,30 Euro) und Pin­ne­berg (Schles­wig-Hol­stein, +13,2 % auf 651,74 Euro). 

Eine Ver­teue­rung durch den Wech­sel des ange­stamm­ten Unter­neh­mens kommt auf zukünf­ti­ge Grund­ver­sor­gungs­kun­den im hes­si­schen Rüs­sels­heim zu, denn dort geht das Lie­fer­ge­biet von epri­mo an die Ener­gie­ver­sor­gung Rüs­sels­heim über. Die zukünf­ti­gen Prei­se des neu­en Lie­fe­ran­ten lie­gen mit 714,51 Euro um +16,4 Pro­zent höher. Ähn­li­ches zeigt sich in Wit­zen­hau­sen (eben­falls Hes­sen), wo E.ON Ener­gie Deutsch­land 2019 von Wer­ra-Strom abge­löst wird (686,55 Euro, +12,2 %). In die­sen Fäl­len sind Bestands­kun­den aller­dings nicht betrof­fen, denn in § 36 Abs. 3 EnWG ist fest­ge­legt, dass die mit dem bis­he­ri­gen Grund­ver­sor­ger geschlos­se­nen Lie­fer­ver­trä­ge wei­ter­hin gül­tig sind. Nur für neue Strom­kun­den (z. B. durch Umzug oder Insol­venz des bis­he­ri­gen Lie­fe­ran­ten) gel­ten die teu­re­ren Ver­trä­ge des zukünf­ti­gen Versorgers. 

Auf der ande­ren Sei­te neh­men Grund­ver­sor­ger auch Sen­kun­gen vor, in Des­sau-Roß­lau (Sach­sen-Anhalt) redu­ziert die SV Des­sau den Tarif DessauStrom Basis“ um ‑3,2 Pro­zent auf 625,84 Euro und somit auf ein durch­schnitt­li­ches Niveau. Die WEMAG senkt in 448 Postor­ten Meck­len­burg-Vor­pom­merns den Tarif wemio-Öko­strom regio­nal“ um ‑2,1 Pro­zent auf 682,60 Euro. 

Deut­li­cher pro­fi­tie­ren poten­zi­el­le Neu­kun­den aber durch eini­ge Ver­sor­ger­wech­sel, so sinkt der Grund­ver­sor­gungs­preis im baden-würt­tem­ber­gi­schen Hed­des­heim um ‑14,1 Pro­zent auf weit unter­durch­schnitt­li­che 547,78 Euro, weil der bis­he­ri­ge ange­stamm­te Ver­sor­ger EnBW Baden-Würt­tem­berg von den Stadt­wer­ken Viern­heim abge­löst wird. Ähn­lich stellt es sich in Wack­erow (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) dar, wo die Stadt­wer­ke Greifs­wald das Lie­fer­ge­biet von E.ON über­neh­men (-13,3 % auf 580 Euro). In wei­te­ren 6 Postor­ten in der unmit­tel­ba­ren Umge­bung muss E.ON die die Grund­ver­sor­gung an die Stadt­wer­ke Neu­bran­den­burg abge­ben (-13,2 % auf 580,40 Euro); ein wei­te­res Lie­fer­ge­biet ver­liert E.ON in Wohl­torf (Schles­wig-Hol­stein, Über­gang an e‑werk Sach­sen­wald, ‑12,7 % auf 590,16 Euro).

PLZOrtGrund­ver­sor­ger bis­herGrund­ver­sor­ger 2019Ver­än­de­rungPreis 2019
68542Hed­des­heimEnBW B‑WSW Viern­heim-14,1 %547,78 Euro
17498Wack­erowE.ONSW Greifs­wald-13,3 %580,00 Euro
17039Blan­ken­hofE.ONSW Neu­bran­den­burg-13,2 %580,40 Euro
21521Wohl­torfE.ONe‑werk Sach­sen­wald-12,7 %590,16 Euro
28876OytenEWESW Achim-11,3 %545,30 Euro
25524Brei­ten­burgE.ONSW Itze­hoe-11,0 %601,48 Euro
27374Vis­sel­hö­ve­deE.ONSW Roten­burg-10,0 %552,13 Euro
67240Boben­heim-Rox­heimGW Boben­heim-Rox­heimSW Fran­ken­thal+6,1 %606,80 Euro
37216Wit­zen­hau­senE.ONWer­­ra-Strom+12,2 %686,55 Euro
65428Rüs­sels­heimepri­moEV Rüs­sels­heim+16,4 %714,51 Euro

Aber auch hier gilt, dass Ver­brau­cher nicht auto­ma­tisch von den güns­ti­ge­ren Prei­sen pro­fi­tie­ren, son­dern aktiv den bis­he­ri­gen Ver­trag kün­di­gen müs­sen. Ins­be­son­de­re in vie­len bis­he­ri­gen E.ON-Gebieten kann der Wech­sel zu den dem­nächst zustän­di­gen Stadt­wer­ken die Jah­res­kos­ten reduzieren. 

Der güns­tigs­te Grund­ver­sor­gungs­preis fin­det sich 2019 unver­än­dert in Stock­stadt am Main. Die ört­li­chen Gemein­de­wer­ke der baye­ri­schen Kom­mu­ne berech­nen für die Ver­sor­gung 519,72 Euro, was weit unter dem bun­des­deut­schen Schnitt liegt. Ähn­lich güns­tig wer­den Kun­den der Stadt­wer­ke Erkrath (NRW, 520,32 Euro), Sprin­ge (Nie­der­sach­sen, 527,23 Euro), Has­ber­gen (Nie­der­sach­sen, 527,26 Euro) und Win­sen (Luhe) belie­fert (Nie­der­sa­chen, 528,61 Euro). Die genann­ten Ver­sor­ger neh­men zum Jah­res­wech­sel kei­ne Preis­an­pas­sung vor. In 131 Postor­ten lie­gen die Jah­res­kos­ten unter 550 Euro.

Preis­ni­veau in der Grund­ver­sor­gung ab dem 1. Janu­ar 2019
Abnah­me­fall: Haus­halt, SLP, 2.200 kWh/​Jahr

Am obe­ren Ende des Preis­spek­trums fin­den sich die Prei­se der Stadt­wer­ke Bor­des­holm. In der Stadt in Schles­wig-Hol­stein wer­den für die Belie­fe­rung in der Grund­ver­sor­gung 721,04 Euro fäl­lig und damit 38,7 Pro­zent mehr als im baye­ri­schen Stock­stadt. Eben­falls hohe Prei­se las­sen sich bei den Stadt­wer­ken Stock­ach in Baden-Würt­tem­berg beob­ach­ten (+7,5 % auf 720,52 Euro). Jah­res­kos­ten über 700 Euro fin­den sich wei­ter­hin bei den Stadt- oder Gemein­de­wer­ken Nord­hal­ben (Bay­ern), Bad Her­ren­alb, Krau­chen­wies (bei­de Baden-Würt­tem­berg), Schön­kir­chen (Schles­wig-Hol­stein), Dettel­bach (Bay­ern), Wol­fen (Sach­sen-Anhalt) und Bad Bramstedt (Schles­wig-Hol­stein).

Metho­dik: Der Aus­wer­tung lie­gen die ver­öf­fent­lich­ten Prei­se von 340 der 826 Grund­ver­sor­ger im Bun­des­ge­biet (41,2 %) bzw. 755 von 2.053 Tari­fen (36,8 %) zugrun­de. Dies betrifft 21 Pro­zent des bun­des­deut­schen Gebiets. Ver­gli­chen wur­den die Prei­se mit Gül­tig­keit 31.12.2018 und 1.1.2019. Alle Preis­an­ga­ben ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche Arbeits­preis der Grund­ver­sor­gung wur­de nach Zahl der ver­sorg­ten Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen (syn­onym Postor­te“) gewich­tet. Betrach­tet wur­de nur das Haupt­netz in einem Post­ort. Der Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus dem Arbeits­preis und dem auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ten Grund­preis. Vor­aus­ge­setzt wur­de ein Eintarifzähler.

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