Aktuelles | 06. Januar 2022

Nur wenige Abweichungen von den vorläufigen Netzentgelten

Zum Jahreswechsel hat der größte Teil der Verteilnetzbetreiber im Strom die endgültigen Netznutzungsentgelte für das laufende Jahr bekannt gegeben. Eine Auswertung der Preisblätter von 759 der 880 Unternehmen zeigt dabei im Schnitt nur wenig Abweichung zu den als „vorläufig“ veröffentlichten Entgelten. Die Betreiber versorgen 14.578 Postleitzahl-Ort-Kombinationen und erreichen damit eine Gebietsabdeckung von etwa 98,8 Prozent.

Als Abnah­me­fall dient der spe­zi­fi­sche Arbeits­preis eines Fami­li­en­haus­halts mit einem Jah­res­ver­brauch von 3.500 kWh. Die nach Grö­ße der Netz­ge­bie­te gewich­te­ten, durch­schnitt­li­chen Durch­lei­tungs­ge­büh­ren von 8,46 ct/​kWh wei­chen erst ab der 3. Nach­kom­ma­stel­le von den vor­läu­fi­gen Prei­sen ab. In 14.322 Postor­ten nah­men die Netz­be­trei­ber kei­ne Anpas­sun­gen vor. Das betrifft auch gro­ße Net­ze wie die der Ava­con, Bay­ern­werk Netz, EAM Netz, EWE Netz, Net­ze BW, Pfalz­wer­ke, SWM Infra­struk­tur, West­netz und eini­ge ande­re mehr.

In ein­zel­nen Net­zen wur­den aller­dings deut­li­che Anpas­sun­gen vor­ge­nom­men. In 184 Postor­ten sin­ken die end­gül­ti­gen Ent­gel­te. Die stärks­ten Kor­rek­tu­ren fin­den sich in den Net­zen des baye­ri­schen EVU Lan­gen­prei­sing (-17,8 % auf 4,01 ct/​kWh) und der AVG Aschaf­fen­burg (-7,2 % auf 5,40 ct/​kWh). In 79 Postor­ten ver­teu­ern sich die Ent­gel­te im Ver­gleich zu den vor­läu­fi­gen Preis­blät­tern. Im Netz der Stadt­wer­ke Sig­ma­rin­gen (Baden-Würt­tem­berg) gibt es die größ­te Anpas­sung (+11,1 % auf 8,62 ct/​kWh), gefolgt von der baye­ri­schen Elek­tri­zi­täts­ge­nos­sen­schaft Engels­berg (+9,4 % auf 11,08 ct/​kWh).

Nicht zuletzt auf­grund der stei­gen­den Ent­gel­te in den vor­ge­la­ger­ten Über­tra­gungs­net­zen (vgl. News­let­ter NNS Nr. 113) zeich­ne­ten sich stei­gen­de Ent­gel­te auf der Ver­tei­le­be­ne an. Die­ser Trend hat sich in den end­gül­ti­gen Preis­blät­tern nun ver­fes­tigt. Im Ver­gleich zu den Kos­ten des Jah­res 2021 stei­gen die durch­schnitt­li­chen, gewich­te­ten Kos­ten um +3,8 Pro­zent. In 64 Postor­ten blei­ben die Ent­gel­te unver­än­dert, in 1.012 sin­ken sie sogar, im Schnitt um ‑2,1 Pro­zent. Netz­kun­den in 9 Postor­ten pro­fi­tie­ren von Sen­kun­gen von ‑12 Pro­zent und mehr.

Die größ­te Ände­rung lässt sich im bran­den­bur­gi­schen Pan­ketal beob­ach­ten (-31,9 % auf 6,59 ct/​kWh), wird hier aller­dings ver­ur­sacht durch die Rekom­mu­na­li­sie­rung des Net­zes. Der Betrieb wech­sel­te von der E.DIS Netz zur Netz­ge­sell­schaft Pan­ketal. Ähn­lich stellt sich die Situa­ti­on in Ammers­bek (Schles­wig-Hol­stein) dar. Durch den Netz­be­trei­ber­wech­sel von der Schles­wig-Hol­stein Netz zur Nord­Netz sin­ken die Ent­gel­te im Post­ort um ‑23,6 Pro­zent auf 8,76 ct/​kWh. In Postor­ten ohne geän­der­te Betrei­ber sin­ken die Ent­gel­te beson­ders stark beim bereits erwähn­ten EVU Lan­gen­prei­sing sowie im nie­der­säch­si­schen Stol­zen­au, wo die Prei­se im Netz der GEL­SEN­WAS­SER Ener­gie­net­ze um ‑16,1 Pro­zent auf 8,11 ct/​kWh redu­ziert wurden.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te Strom 2022 gegen­über 2021
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Dem­ge­gen­über ste­hen stei­gen­de Ent­gel­te in 13.502 Postor­ten, in 235 davon um +10 Pro­zent oder mehr. Durch­schnitt­lich wur­den die Prei­se dort um +4,2 Pro­zent ange­ho­ben. Am stärks­ten betrof­fen sind Netz­kun­den der Stadt­wer­ke Rie­sa, in deren Netz die Durch­lei­tungs­ge­büh­ren um +43,8 Pro­zent auf 9,33 ct/​kWh stei­gen. Auch in den Net­zen der Stadt­wer­ke Mös­sin­gen (+38,5 % auf 7,84 ct/​kWh) in Baden-Würt­tem­berg und der Stadt­wer­ke Sprin­ge (+31,8 % auf 9,19 ct/​kWh) in Nie­der­sach­sen wur­den die Ent­gel­te deut­lich ange­ho­ben. In Mös­sin­gen lie­gen sie damit aber noch unter dem bun­des­wei­ten Durchschnitt.

Die nied­rigs­ten Prei­se für die Netz­nut­zung fin­den sich 2022 in baye­ri­schen Gemein­den. Neben Lan­gen­prei­sing lie­gen die Ent­gel­te auch in Ger­me­ring (Ener­gie­net­ze Bay­ern) weit unter dem Durch­schnitt (4,94 ct/​kWh), eben­so in Olching (Stadt­wer­ke Olching Strom­netz) mit 5,05 Cent je durch­ge­lei­te­ter Kilowattstunde.

Preis­ni­veau der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te Strom 2022 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Am höchs­ten sind die Netz­ent­gel­te der­zeit in Lam­brecht und Fran­ken­eck (Rhein­land-Pfalz). Im dor­ti­gen Netz der Stadt­wer­ke Lam­brecht (Pfalz) wer­den im lau­fen­den Jahr 13,48 ct/​kWh erho­ben. Ähn­lich hoch sind die Durch­lei­tungs­prei­se im baye­ri­schen Bad Hin­de­lang (Elek­tri­zi­täts­werk Hin­de­lang) mit 12,70 ct/​kWh, Loh­berg (EVU Späth, 12,43 ct/​kWh) und Ret­ten­berg (Elek­tri­zi­täts­ge­nos­sen­schaft Ret­ten­berg, 12,38 ct/​kWh).

Strom­ver­trie­be ste­hen nun vor der schwie­ri­gen Auf­ga­be, die über­wie­gend stei­gen­den Netz­ent­gel­te zusätz­lich zu den explo­die­ren­den Beschaf­fungs­prei­sen in ihre Tari­fe ein­zu­kal­ku­lie­ren. Das Absin­ken der gesetz­li­chen Umla­gen auf ein Zehn­jah­res­tief (vgl. Aktu­el­le Mel­dung Okto­ber 2021) kön­nen das nicht ansatz­wei­se kompensieren.

Ähn­li­che Situa­ti­on in den Gasnetzen

Auch in die end­gül­ti­gen Gas­netz­ent­gel­te ist nur noch wenig Bewe­gung gekom­men. Die Aus­wer­tung der Netz­nut­zungs­prei­se von 645 der 692 Ver­teil­netz­be­trei­ber zeigt im gewich­te­ten Schnitt eben­falls nur eine mar­gi­na­le Ände­rung im Nach­kom­ma­be­reich. Die Net­ze die­ser Unter­neh­men belie­fern 10.323 Postor­te, was einer Gebiets­ab­de­ckung von 95 Pro­zent der gas­ver­sorg­ten Flä­che entspricht.

Am Bei­spiel des Mus­ter­haus­halts mit einem Jah­res­ver­brauch von 18.000 kWh wer­den 2022 Netz­ent­gel­te in Höhe von 1,70 Cent je trans­por­tier­ter Kilo­watt­stun­de fäl­lig. In 9.842 Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen nah­men die Netz­be­trei­ber kei­ne Anpas­sung gegen­über den vor­läu­fi­gen Ent­gel­ten vor, dar­un­ter bei­spiels­wei­se Ava­con, Bay­ern­werk Netz, EAM Netz, EWE Netz, Net­ze BW und West­netz. In 186 Postor­ten wur­den die Prei­se nach unten kor­ri­giert, im Schnitt um ‑3,1 Pro­zent. In 290 Postor­ten gab es leich­te Kor­rek­tu­ren nach oben, durch­schnitt­lich um +0,4 Prozent.

Die EW Schö­nau Net­ze (Baden-Würt­tem­berg) pass­ten die Ent­gel­te in ihrem Netz noch ein­mal um +10 Pro­zent auf 1,96 ct/​kWh an. Wei­te­re Erhö­hun­gen las­sen sich im Netz der nie­der­säch­si­schen Stadt­wer­ke Buch­holz in der Nord­hei­de (+5,9 % auf 1,24 ct/​kWh) und der Stadt­wer­ke Kal­ten­kir­chen (Schles­wig-Hol­stein, +3,4 % auf 1,35 ct/​kWh) beob­ach­ten, die damit aber bei­de noch deut­lich unter dem Durch­schnitt lie­gen. Nied­ri­ger wer­den die Netz­ent­gel­te dage­gen im Netz der Stadt­wer­ke Lands­hut in Bay­ern, dort sin­ken sie um ‑13,9 Pro­zent auf güns­ti­ge 1,21 ct/​kWh. Auch die Stadt­wer­ke Traun­stein (Bay­ern) kor­ri­gier­ten die Ent­gel­te um ‑9,5 % nach unten, lie­gen aber mit 2,10 ct/​kWh wei­ter­hin über dem Schnitt.

Auch im Gas zeich­ne­ten sich mit den vor­läu­fi­gen Ent­gel­ten bereits stei­gen­de Kos­ten ab (vgl. News­let­ter NNG Nr. 71), obwohl die Exit-Prei­se und der Bio­gas­wäl­zungs­be­trag 2022 nied­ri­ger aus­fal­len. Die end­gül­ti­gen Preis­blät­ter haben die­sen Trend nicht umge­kehrt. Im Ver­gleich zum Vor­jahr stei­gen die Kos­ten für die Netz­nut­zung im gewich­te­ten Durch­schnitt um +1,9 Pro­zent auf 1,70 ct/​kWh. In 57 Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen blei­ben die Ent­gel­te unver­än­dert. In 3.185 Postor­ten sin­ken sie um durch­schnitt­lich ‑2,6 Pro­zent, in 57 davon um ‑10 Pro­zent oder mehr. Dem ste­hen aller­dings ins­ge­samt 7.081 Postor­te mit stei­gen­den Ent­gel­ten gegen­über, im Schnitt erhö­hen sich die­se um +4,1 Pro­zent, in 205 Fäl­len sogar um +10 Pro­zent und mehr.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te Gas 2022 gegen­über 2021
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 18.000 kWh/​a, 11 kW Leis­tung, SLP, Niederdruck

In Börn­sen (Schles­wig-Hol­stein, GWB-Netz) ver­teu­ern sich die Durch­lei­tungs­ge­büh­ren mit +28,2 Pro­zent am deut­lichs­ten, blei­ben mit gerun­de­ten 1,70 ct/​kWh aber noch genau im deutsch­land­wei­ten Schnitt. Im Netz der Stadt­wer­ke Wil­lich (NRW) blei­ben die Kos­ten trotz Erhö­hung nied­rig (+19,4 % auf 1,53 ct/​kWh). Die Stadt­wer­ke Sin­del­fin­gen (Baden-Würt­tem­berg) haben die Ent­gel­te dage­gen um +26,6 Pro­zent auf über­durch­schnitt­li­che 2,24 ct/​kWh angehoben.

Auf der ande­ren Sei­te fin­den sich auch teils deut­li­che Redu­zie­run­gen der Trans­port­kos­ten. Im hes­si­schen Gas­netz Wit­zen­hau­sen wur­den die Prei­se um ‑32,2 % auf 0,80 ct/​kWh gesenkt. Die Ent­gel­te der bereits genann­ten Stadt­wer­ke Lands­hut fal­len gegen­über 2021 um ‑23,6 Pro­zent. Und auch die nach­träg­lich kor­ri­gier­ten Prei­se der EW Schö­nau Net­ze lie­gen noch ‑22,7 Pro­zent unter dem Vor­jah­res­ni­veau. Von Kon­zes­si­ons­wech­seln pro­fi­tie­ren zudem Gas­kun­den im nie­der­säch­si­schen Wen­de­burg. Hier ging der Netz­be­trieb von der Ava­con Netz auf die Gemein­de­wer­ke Pei­ner Land über (-24,5 % auf 1,32 ct/​kWh). In Gau-Alges­heim (Rhein­land-Pfalz) über­nahm die Rhein­hes­si­sche Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­gung den Netz­be­trieb von West­netz, was um ‑24,1 Pro­zent nied­ri­ge­re Ent­gel­te (1,59 ct/​kWh) zur Fol­ge hat.

Preis­ni­veau der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te Gas 2022 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 18.000 kWh/​a, 11 kW Leis­tung, SLP, Nie­der­druck

Die güns­tigs­ten Trans­port­kos­ten fin­den sich der­zeit im Gas­netz Wit­zen­hau­sen sowie im Ver­teil­netz der Stadt­wer­ke Lin­gen (Nie­der­sach­sen, 0,87 ct/​kWh). Ähn­li­che Prei­se berech­nen die benach­bar­ten Stadt­wer­ke Neu­en­haus mit 0,89 ct/​kWh. Deut­lich über dem Durch­schnitt lie­gen dage­gen die Ent­gel­te der Stadt­wer­ke Havel­berg (Sach­sen-Anhalt) mit 2,82 ct/​kWh sowie der Stadt­wer­ke Bad Wild­bad (Baden-Würt­tem­berg, 2,94 ct/​kWh). Die mit Abstand höchs­ten Gebüh­ren für die Gas­durch­lei­tung in Höhe von 3,43 ct/​kWh wer­den aktu­ell im Ver­teil­netz der Stadt­wer­ke Alten­steig erhoben.

Wie auch Strom­ver­sor­ger müs­sen Gas­an­bie­ter die­se – über­wie­gend mode­ra­ten – Stei­ge­run­gen der Netz­nut­zungs­kos­ten in ihre Pro­duk­te ein­prei­sen, wäh­rend die Beschaf­fungs­kos­ten auch hier in unge­ahn­te Höhen stei­gen. Ohne­hin gestal­ten sich die Prei­se am Markt der­zeit äußerst vola­til, was sich vor dem Ende der Heiz­pe­ri­ode ver­mut­lich auch nicht mehr ändern wird.

Metho­dik: Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche Arbeits­preis der Netz­ent­gel­te wur­de nach Netz­grö­ße (Anzahl der ange­schlos­se­nen Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen) gewich­tet. In den Berech­nun­gen wur­den nur Netz­be­trei­ber berück­sich­tigt, die bereits ein end­gül­ti­ges Ent­gelt für 2022 bekannt­ge­ge­ben haben. Der spe­zi­fi­sche Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten (Arbeits­preis + auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ter Grund­preis) und den Kos­ten für das Mess­sys­tem (Stan­dard­mess­kon­fi­gu­ra­ti­on).

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